Videokonferenzen: Vulkanwolke treibt Manager in virtuelle Meetings

Wegen der Vulkanwolke sind unzählige Geschäftsreisen geplatzt und Meetings ausgefallen. Mit Videokonferenzen lässt sich das eine oder andere Meeting ersetzen. Die Anbieter von Videokonferenzsystemen wittern das große Geschäft. Der US-Grafikgigant Adobe lockt mit einem Gratisangebot.

Zehntausende Deutsche mussten erleben, wie die unsichtbare Vulkanwolke aus dem hohen Norden ihre Reisepläne zunichtemachte, mussten an Orten verharren, wo sie eigentlich nicht mehr sein wollten und suchten verzweifelt nach Mietwagen oder anderen Reisemöglichkeiten, um vielleicht doch noch an ihr Ziel zu kommen. Einiges Chaos herrschte; am Frankfurter Bahnhof prügelten sich Reisende gar, um die letzten verbleibenden Zugplätze zu ergattern.

Währenddessen saß Rico Hengstmann, Manager bei dem Konferenzanbieter Meetyoo in seinem Büro in Berlin und konnte die jüngste Laune der Natur einigermaßen entspannt verfolgen. Generell wachse das inzwischen 40 Mann starke Unternehmen sehr ordentlich, weil immer mehr Firmen auf Video- oder Telefonkonferenzen setzten, so Hengstmann. Nachdem wegen der Vulkanwolke weite Teile des europäischen Luftraums gesperrt wurden und unzählige Geschäftsleute nicht wie geplant zu ihren Meetings reisen konnten, sei die Nachfrage nun noch einmal angestiegen: Allein am Freitag dieser Woche habe man bei Telefonkonferenzen ein Plus von zehn Prozent verzeichnet.

Tatsächlich sind viele gestrandete Geschäftsreisende angesichts der Vulkanwolke spontan auf virtuelle Konferenzen umgestiegen, um ihre Meetings trotz reihenweise gestrichener Flüge abhalten zu können. Regus, ein führender Anbieter von innovativen Arbeitsplatzlösungen, vermeldete, dass die Buchungen für Videokonferenzen in Europa um zwölf Prozent angestiegen, in Großbritannien gar um 38 Prozent in die Höhe geschossen seien.

Der US-Softwareanbieter Adobe nutzte die Gunst der Stunde, um sich mit einem hübschen Gratisangebot in die Herzen potenzieller Kunden zu stehlen: Geschäftsreisende, die nicht wie geplant zu Terminen anreisen könnten, hätten die Möglichkeit, ihre Meetings kostenlos über das Webkonferenzsystem Adobe Connect online durchzuführen, ließ der Konzern mitteilen.

De facto erfreuen sich virtuelle Zusammentreffen bereits seit einigen Jahren wachsender Beliebtheit: Vor allem aufgrund des steigenden Kostendrucks, den viele Unternehmen gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise verstärkt zu spüren bekommen, sind Video- oder Telefonkonferenzen ein gern genutztes Mittel, um die Reisebudgets der Firmen in einem erträglichen Maß zu halten.

Dem Verband Deutsches Reisemanagement zufolge nutzt ein Drittel der Verbandsmitglieder heute virtuelle Konferenzen, um Geschäftsreisen zu ersetzen. Weitere 20 Prozent setzen diese Instrumente explizit ein, um die interne Kommunikation zu verbessern. Globale Risiken wie die Wirtschaftskrise, Vogelgrippe oder auch Naturkatastrophen wie der Tsunami oder der jüngste Vulkanausbruch in Island tun ihr Übriges: „Gerade in instabilen Zeiten gewinnen virtuelle Meetings an Bedeutung, da sie den Firmen Planungssicherheit erlauben“, so Meetyoo-Manager Hengstmann.

Dass das Treffen per Telefon, Internet oder Video dem persönlichen Meeting auf Dauer wirklich den Rang ablaufen und damit dem Geschäft von Fluglinien oder Hotelanbietern empfindlich schaden könnte, glaubt Dirk Bremer, Präsident des Travel Industry Club, eines Netzwerks von Managern aus der Reise- und Luftfahrtindustrie, allerdings nicht: Auch wenn die Technik immer besser werde, blieben Face-to-Face-Treffen wichtig; Small Talks etwa, näheres Kennenlernen neuer Kollegen und Netzwerken seien eben nur im persönlichen Kontakt machbar.

Trotzdem werden sich Manager gedulden müssen, bis sie wie gewohnt zu ihren Terminen fliegen können: Wie lange die Ausnahmesituation anhält, ist nicht abzusehen. Experten rechnen schon jetzt damit, dass sie länger anhält als nach den Terroranschlägen 2001.

Quelle: http://www.morgenpost.de/web-wissen/article1293492/Vulkanwolke-treibt-Manager-in-virtuelle-Meetings.html

Nach oben scrollen