Flugverbot, Sparzwang, Umweltschutz: Videokonferenzen sind gefragter denn je, schon heute nutzt sie bereits jedes dritte Unternehmen. Worauf es beim Führen virtueller Teams ankommt.
Der Flug von Frankfurt nach Shanghai war längst gebucht: In der chinesischen Metropole wollte ein Mitglied des Gesellschafterkreises des badischen Familienunternehmens Freudenberg an der jährlichen Konferenz mit angehenden chinesischen Führungskräften teilnehmen. Doch daraus wurde nichts. Der Ausbruch des isländischen Vulkans Eyjafjallajökull machte auch den Start dieses Flugzeugs unmöglich.Also musste eine Alternativlösung her – denn das Freudenberg-Management legt Wert auf Etikette, gerade im Umgang mit China.
Kurzerhand organisierte das Unternehmen eine Videokonferenz und versendete über die Breitbandleitung, pünktlich zum Start der Veranstaltung am 16. April, eine 15-minütige Grußbotschaft nach Shanghai. „Sehr schade, dass der persönliche Besuch nicht möglich war“, sagt ein Freudenberg-Sprecher, „aber die Chinesen haben diese Lösung sehr geschätzt.“
Sie waren nicht die Einzigen: Reihenweise wurden in den Tagen nach dem Vulkanausbruch reale Meetings durch Videokonferenzen ersetzt. […]
Entwicklung zu virtuelle Konferenzen
[…] Die Aschewolke, die der isländische Vulkan über den europäischen Himmel geschleudert hatte, legte nicht nur den privaten und geschäftlichen Flugverkehr lahm. Sie beschleunigt vielmehr eine Entwicklung, die sich im Zuge der Globalisierung schon abzuzeichnen begann: Verstreut in Dutzende Länder rund um den Globus, kommunizieren Mitarbeiter mit Kollegen, Vorgesetzten und Kunden immer seltener von Angesicht zu Angesicht, sondern virtuell.
Verzicht aufs Auto
Ob Finanzkrise, Schweinegrippe, CO2-Bilanz oder Vulkanasche – regelmäßig sorgen externe Impulse dafür, dass Unternehmen immer öfter darauf verzichten, ihre Mitarbeiter per Auto, Zug oder Flugzeug zum nächsten Meeting zu schicken. Stattdessen stellen sie virtuelle Teams zusammen, die über Landesgrenzen und Zeitzonen hinweg kooperieren. „Der Einsatz virtueller Teams liegt eindeutig im Trend“, sagt Josephine Hofmann vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation. „Langfristig führt in unserer arbeitsteiligen Ökonomie kein Weg daran vorbei.“
So ist der Markt für sogenannte Collaboration-Dienstleistungen – das Bereitstellen von Telefonkonferenzen, internetbasierten Systemen oder Videokonferenzen mit entsprechenden High-Tech-Geräten – schon vor dem Vulkanausbruch auf Island rasant gewachsen: nach Expertenschätzung auf 36 Milliarden Dollar weltweit. Allein 4,5 Milliarden Dollar werden Unternehmen bis 2012 in Videokonferenzsysteme investieren, mit Wachstumsraten von mehr als 20 Prozent. […]
Jedes dritte Unternehmen nutzt Besprechungen am Bildschirm
Auch weil die Technologie sich deutlich weiterentwickelt hat und die Preise gesunken sind. Früher war der Rückgriff auf Videokonferenzen meist Großkonzernen vorbehalten, die sich die teuren Geräte leisten konnten. Heute sind Systeme, die Beiträge der Kollegen an anderen Standorten ruckelfrei und gut hörbar ins Büro übertragen, auch für kleine und mittlere Unternehmen erschwinglich. Breitbandverbindungen gehören inzwischen zum Standard, die Bild- und Tonqualität sind gestiegen, die Preise für Elektronik gesunken.
Jedes dritte Unternehmen nutzt heute bereits Besprechungen am Bildschirm, sagt der Verband Deutsches Reisemanagement. Und das nicht etwa wegen unerwarteter Naturkatastrophen. Viel wichtiger: Die Unternehmen sparen so Geld – und die Mitarbeiter Nerven. 46 Prozent der Fach- und Führungskräfte finden, dass Geschäftstrips Stress auslösen, so eine Umfrage des Hamburger Instituts für Management- und Wirtschaftsforschung unter 716 europäischen Managern im vergangenen Jahr. Wer mehr als 50 Mal im Jahr unterwegs ist – für Top-Manager keine Seltenheit – sehe seine Work-Life-Balance erheblich gestört.
Dienstreisen sind Zeit- und Kostenfresser
Kein Wunder bei all den Strapazen, denen sich Manager auf Tour täglich aussetzen: lange Wartezeiten an Bahnhöfen, Verspätungen am Flughafen, nervige Mitreisende im Flieger.
Hinzu kommt: Die Zeit auf Reisen lässt sich kaum produktiv nutzen. Acht von zehn europäischen Unternehmen betrachten Dienstreisen als Zeit- und Kostenfresser. Schätzungen zufolge arbeiten die Geschäftsreisenden nur 55 Prozent der Zeit – den Rest verbringen sie mit Warten, Warten, Warten. „Entscheider setzen deshalb vermehrt auf moderne Videokonferenzlösungen“, sagt Diethelm Siebuhr, Geschäftsführer von Easynet Global Services, dessen Unternehmen solche Systeme anbietet. „Das senkt nicht nur die Reisekosten, sondern erspart den Leistungsträgern unnötige Strapazen.“Und den Konzernen viel Geld. […]
Der Trend zur Videokonferenz freut auch die Umwelt. Durch webbasierte Technologien könnte immerhin jede fünfte Geschäftsreise weltweit wegfallen, ergab eine Studie der Global E-Sustainability Initiative, einem Zusammenschluss von Technologiekonzernen wie Nokia, Motorola oder der Deutschen Telekom. Kaum ein Büro kommt heute ohne Besprechung aus. Sieben Meetings besucht der durchschnittliche Angestellte pro Woche, fand das Institut LM Research & Marketing Consultancy vor einiger Zeit bei einer Umfrage unter 2500 Bürokräften heraus. Jede fünfte Konferenz dauert länger als fünf Stunden. Das Problem: Diskutieren die Teilnehmer nur noch via Bildschirm, braucht es nicht nur einwandfreie Technik – althergebrachte Führungsprinzipien und bequeme Routinen haben ausgedient: „Führen über Distanz“, sagt Organisationsforscherin Hofmann, „erfordert neues Denken. Es fördert und fordert mehr Vertrauen in immer qualifiziertere Mitarbeiter.“
Plausch in der Kaffeeküche kaum ersetzbar
Soll heißen: Ergebnisorientierung und Fachwissen schlagen Hierarchiegläubigkeit, Projekte müssen langfristiger und vor allem mit größerer Zuverlässigkeit geplant werden, die gesamte Kommunikation erfordert ein hohes Maß an Disziplin. Das gilt auch für die Videositzungen selbst – sonst verkommt das virtuelle Treffen zur fruchtlosen Laberei. Schon heute geht es vielen so wie Louis van Gaal, Trainer des FC Bayern München. „Man muss sich sehen, wenn man miteinander redet. Sonst bleibt alles kalt“, sagte er in der vergangenen Woche der „Süddeutschen Zeitung“.
So denkt auch die Mehrheit der Büroarbeiter: Trotz aller modernen Technik kommunizieren 72 Prozent der Erwerbstätigen mit ihren Kollegen am liebsten von Angesicht zu Angesicht, wie eine Umfrage des Karriereportals Monster unter knapp 5000 deutschen Arbeitnehmern im Mai 2009 ergab. „Ausschließlich über elektronische Helferlein zu kommunizieren und zusammenzuarbeiten, das funktioniert nicht“, sagt auch Organisationsberaterin Hofmann. „Der kurze Blick über den Schreibtisch, ein kurzer Plausch in der Kaffeeküche – das ist nur schwer zu ersetzen und wesentlich für den sozialen Kitt im Unternehmen.“ […]
Der Kauf des Videokonferenz-Anbieters Tandberg ist abgeschlossen. Das teilte Cisco mit. Dieser hatte das norwegische Unternehmen im Oktober 2009 für 3,3 Milliarden Dollar übernommen.
Martin de Beer, verantwortlich für Ciscos sogenannte “Emerging Technologies Business Group”, wozu der Netzwerker auch Videokonferenzsysteme zählt, erklärte in einer Telefonkonferenz, bereits ein Drittel des weltweiten Marktes für Videokonferenz-Systeme werde von den beiden Firmen gehalten. Damit sei Cisco keineswegs zufrieden: Nachdem dieser Markt sich jetzt vielversprechend entwickle, rechne das Unternehmen damit, sich als Marktführer zu behaupten und weiterzuentwickeln. Dafür werde unter anderem der frühere Tandberg CEO, Fredrick Halvorsen, sorgen. Er leitet die “Telepresence Technology”-Abteilung.
Das Mantra der Videokonferenzen für Unternehmen predigt Cisco seit der Einführung seines Videokonferenzsystemes “Telepresence”. De Beer sagte zum Beispiel, innerhalb der nächsten fünf Jahre würden 90 Prozent des Internetverkehrs durch Videos erzeugt werden. Er folgte damit ganz der Argumentation seines Chefs, Cisco-CEO John ChambersDe Beer erklärte weiter, Cisco-Partner hätten nunmehr “eine phantastische Möglichkeit”, ihr Portfolio zu erweitern. Die Integration sorge zudem dafür, dass die verteilten Ressourcen für den Channel - Reseller und Distributoren - gebündelt werden könnten. Cisco werde binnen 90 Tagen dafür sorgen, dass seine Systeme mit denen von Tandberg “nahtlos” zusammenarbeiten könnten. Eine komplette Integration der Plattformen versprach der Manager spätestens in 18 Monaten. […]
Erhöhte Nachfrage nach Videokonferenzen durch Flugausfälle
Mittelstand hinkt bei Nutzung hinterher
Videokonferenzen sparen Geld und schonen die Umwelt
Berlin, 19. April 2010 - Viele Geschäftsreisen können durch Videokonferenzen ersetzt werden. Anbieter von solchen Konferenzen verzeichnen angesichts der aktuellen Flugausfälle in Europa eine erhöhte Nachfrage, einige bieten zudem Sonderaktionen an. Darauf weist der Hightech-Verband BITKOM hin.
„Wer das erste Mal an einer Video-Konferenz mit den neuen Highend-Geräten teilgenommen hat, will am Ende des Gesprächs seinem Gesprächspartner die Hand schütteln – er hat schlicht vergessen, dass der Partner mehrere tausend Kilometer weit weg in einem gleichgestalteten Raum sitzt“, sagte BITKOM-Präsident Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer. Die Qualität der Konferenzsysteme hat sich in den vergangenen Jahren stark verbessert, auch dank der schnelleren Datenübertragung sind Bilder in HD-Qualität und ohne Verzögerung möglich.
Videokonferenzen nutzt nach BITKOM-Einschätzung jedes größere Unternehmen, das international tätig ist. Allerdings sind diese Konferenzen nur in den seltensten Fällen Standard. Insbesondere im Mittelstand finden sie kaum Einsatz. „Hier werden Chancen verpasst, auf die wir anlässlich der aktuellen Einschränkungen im Luftverkehr aufmerksam machen möchten“, so Scheer. Dabei ist die Bandbreite an angebotenen und genutzten Lösungen sehr groß. Sie reicht von fest installierten Hightech-Räumen bis zu – fast – kostenlosen Internet-Videokonferenzen über Kameras am eigenen PC.
„Unabhängig von der aktuellen Notsituation sollten Videokonferenzen grundsätzlich Standard für die Zusammenarbeit innerhalb und zwischen Unternehmen werden“, sagte Scheer. Der Einsatz solcher Systeme senkt die Kosten und schont die Umwelt. Würde nur jede zweite Geschäftsreise in Europa durch Videokonferenzen ersetzt, so spart dies nach Angaben mit Bezug auf die Umweltstiftung WWF jährlich fast so viel CO2-Emissionen, wie alle PKW in Deutschland in einem Jahr erzeugen.
Wegen der Vulkanwolke sind unzählige Geschäftsreisen geplatzt und Meetings ausgefallen. Mit Videokonferenzen lässt sich das eine oder andere Meeting ersetzen. Die Anbieter von Videokonferenzsystemen wittern das große Geschäft. Der US-Grafikgigant Adobe lockt mit einem Gratisangebot.
Zehntausende Deutsche mussten erleben, wie die unsichtbare Vulkanwolke aus dem hohen Norden ihre Reisepläne zunichtemachte, mussten an Orten verharren, wo sie eigentlich nicht mehr sein wollten und suchten verzweifelt nach Mietwagen oder anderen Reisemöglichkeiten, um vielleicht doch noch an ihr Ziel zu kommen. Einiges Chaos herrschte; am Frankfurter Bahnhof prügelten sich Reisende gar, um die letzten verbleibenden Zugplätze zu ergattern.
Währenddessen saß Rico Hengstmann, Manager bei dem Konferenzanbieter Meetyoo in seinem Büro in Berlin und konnte die jüngste Laune der Natur einigermaßen entspannt verfolgen. Generell wachse das inzwischen 40 Mann starke Unternehmen sehr ordentlich, weil immer mehr Firmen auf Video- oder Telefonkonferenzen setzten, so Hengstmann. Nachdem wegen der Vulkanwolke weite Teile des europäischen Luftraums gesperrt wurden und unzählige Geschäftsleute nicht wie geplant zu ihren Meetings reisen konnten, sei die Nachfrage nun noch einmal angestiegen: Allein am Freitag dieser Woche habe man bei Telefonkonferenzen ein Plus von zehn Prozent verzeichnet.
Tatsächlich sind viele gestrandete Geschäftsreisende angesichts der Vulkanwolke spontan auf virtuelle Konferenzen umgestiegen, um ihre Meetings trotz reihenweise gestrichener Flüge abhalten zu können. Regus, ein führender Anbieter von innovativen Arbeitsplatzlösungen, vermeldete, dass die Buchungen für Videokonferenzen in Europa um zwölf Prozent angestiegen, in Großbritannien gar um 38 Prozent in die Höhe geschossen seien.
Der US-Softwareanbieter Adobe nutzte die Gunst der Stunde, um sich mit einem hübschen Gratisangebot in die Herzen potenzieller Kunden zu stehlen: Geschäftsreisende, die nicht wie geplant zu Terminen anreisen könnten, hätten die Möglichkeit, ihre Meetings kostenlos über das Webkonferenzsystem Adobe Connect online durchzuführen, ließ der Konzern mitteilen.
De facto erfreuen sich virtuelle Zusammentreffen bereits seit einigen Jahren wachsender Beliebtheit: Vor allem aufgrund des steigenden Kostendrucks, den viele Unternehmen gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise verstärkt zu spüren bekommen, sind Video- oder Telefonkonferenzen ein gern genutztes Mittel, um die Reisebudgets der Firmen in einem erträglichen Maß zu halten.
Dem Verband Deutsches Reisemanagement zufolge nutzt ein Drittel der Verbandsmitglieder heute virtuelle Konferenzen, um Geschäftsreisen zu ersetzen. Weitere 20 Prozent setzen diese Instrumente explizit ein, um die interne Kommunikation zu verbessern. Globale Risiken wie die Wirtschaftskrise, Vogelgrippe oder auch Naturkatastrophen wie der Tsunami oder der jüngste Vulkanausbruch in Island tun ihr Übriges: „Gerade in instabilen Zeiten gewinnen virtuelle Meetings an Bedeutung, da sie den Firmen Planungssicherheit erlauben“, so Meetyoo-Manager Hengstmann.
Dass das Treffen per Telefon, Internet oder Video dem persönlichen Meeting auf Dauer wirklich den Rang ablaufen und damit dem Geschäft von Fluglinien oder Hotelanbietern empfindlich schaden könnte, glaubt Dirk Bremer, Präsident des Travel Industry Club, eines Netzwerks von Managern aus der Reise- und Luftfahrtindustrie, allerdings nicht: Auch wenn die Technik immer besser werde, blieben Face-to-Face-Treffen wichtig; Small Talks etwa, näheres Kennenlernen neuer Kollegen und Netzwerken seien eben nur im persönlichen Kontakt machbar.
Trotzdem werden sich Manager gedulden müssen, bis sie wie gewohnt zu ihren Terminen fliegen können: Wie lange die Ausnahmesituation anhält, ist nicht abzusehen. Experten rechnen schon jetzt damit, dass sie länger anhält als nach den Terroranschlägen 2001.
Zahl der VoIP-Nutzer wächst 2009 in Deutschland um 18 Prozent
Internet-Telefonie bietet günstige Gespräche und Zusatzfunktionen
BITKOM gibt Tipps zur Nutzung
BITKOM, Berlin, 6. April 2010 - Das Telefonieren per Internet wird immer beliebter. Anfang 2010 gab es gut 10,3 Millionen regelmäßige Nutzer in Deutschland. Das entspricht einem Anstieg um 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das berichtet der Hightech-Verband BITKOM auf Basis von aktuellen Daten des European Information Technology Observatory (EITO). Im Verlauf des Jahres 2010 wird die Nutzerzahl laut EITO voraussichtlich auf rund zwölf Millionen steigen. Der Bundesnetzagentur zufolge lag das VoIP-Gesprächsvolumen 2009 bei geschätzten 35 Milliarden Minuten – ein Anstieg um 40 Prozent im Vergleich zu 2008. „Die Internet-Telefonie hat sich im beruflichen und privaten Umfeld etabliert“, sagte BITKOM-Präsident Prof. Dr. August-Wilhelm Scheer. Neben günstigen Tarifen bietet sie eine Reihe von Zusatzfunktionen. So landen bei der Internet-Telefonie Sprachnachrichten, Faxe und E-Mails in einem gemeinsamen Posteingang.
Der BITKOM erklärt, worauf man bei der Internet-Telefonie - kurz VoIP für Voice over Internet Protocol - achten sollte:
1. Technische Voraussetzungen
Für VoIP ist ein schneller Internetzugang per DSL oder Kabel notwendig. Langsame Internetverbindungen unter einem Mbit/s werden nicht von allen Anbietern unterstützt, zudem leidet die Sprachqualität. Ein günstiger Internetzugang zum monatlichen Pauschalpreis (Flatrate) ist ratsam. Wer am PC telefoniert, braucht einen Kopfhörer mit Mikrofon (Headset).
2. Das alte Telefon weiter nutzen
Wer beim Umstieg auf Internet-Telefonie keine neuen Geräte anschaffen will, benötigt einen VoIP-Adapter. Herkömmliche Festnetz- und Schnurlos-Telefone sowie Telefonanlagen können so weiter genutzt werden. Im einfachsten Fall ist der VoIP-Adapter in das Internetmodem integriert. Solche Zugangsboxen bieten viele Telefon- und Internet-Anbieter beim Abschluss eines Laufzeitvertrags an.
3. VoIP-Anbieter wählen und Tarife vergleichen
Zusätzlich brauchen Kunden einen Anbieter für VoIP-Gespräche. Der VoIP-Anbieter kann, er muss aber nicht identisch sein mit dem Internetprovider. Die nötigen Verträge können bei zahlreichen Anbietern abgeschlossen werden. Dabei gibt es die Auswahl zwischen Pauschaltarifen für Gespräche ins Festnetz und Tarifen, die nach Minuten abgerechnet werden. Welches Modell am günstigsten ist, hängt vom eigenen Verhalten beim Telefonieren ab. Beim Vergleich sollte man darauf achten, was Anrufe zu Handys und ins Ausland kosten. Es lohnt sich zudem zu prüfen, ob der bisher genutzte Festnetzanbieter oder alternativ Call-by-Call-Dienste nicht ähnlich niedrige Tarife anbieten.
4. Unterschiedliche Vorwahlen bedenken
Bei Abschluss eines VoIP-Vertrages kann der Kunde seine Telefonnummer in der Regel zum neuen Anbieter mitnehmen oder er bekommt eine neue Rufnummer. Diese hat je nach Anbieter die gewohnte Ortsvorwahl, die vom Wohnsitz abhängig ist, oder eine spezielle 032-Vorwahl. Dabei ist zu beachten, dass die Kosten für Anrufe zu solchen Nummern variieren können. Oft sind Anrufe zu 032-Anschlüssen nicht in den Flatrates für Festnetzgespräche enthalten, weil diese nur für normale Ortsvorwahlen gelten. Ein Vorteil der 032-Nummer ist, dass sie nicht ortsgebunden ist. Wer umzieht, kann sie quer durch Deutschland mitnehmen.
5. Kostenlos telefonieren per Instant Messenger
Völlig kostenfrei kann im Internet über Sofortnachrichten-Dienste (z.B. Skype, ICQ, Windows Live Messenger, Mac Messenger) telefoniert werden. Für solche Gratistelefonate müssen beide Gesprächspartner vor dem PC sitzen und beim gleichen Dienst angemeldet sein. Dann ist mit einer Webcam sogar Videotelefonie mit mehreren Gesprächsteilnehmern möglich. Anrufe zu normalen Telefon- oder VoIP-Anschlüssen sind damit aber gar nicht oder nur gegen zusätzliche Gebühren möglich.
Möchte sich ein Unternehmen dem Voice-over-IP-Trend anschließen und etwa von der kostenlosen Vernetzung der Außenstellen profitieren, gibt es einige rechtliche Fragen zu beachten. So spielt das Thema Verfügbarkeit eine wichtige Rolle. Allzu schnell wandert der Schwarze Peter zwischen Dienstleister und Kunde hin und her, sollte der Dienst einmal ausfallen. Mit den richtigen Verträgen sichern Sie sich gegen rechtliche Stolperfallen beim VoIP-Outsourcing ab.
Prinzipiell ist ausgelagertes VoIP im ersten Ansatz – auch wenn es natürlich mehr ist – eine Software-Anwendung, deren Einsatz auf einer spezifischen Hardware an einen Dienstleister übertragen werden soll. So liegt es auf der Hand, dass hier ähnliche rechtliche Probleme zu regeln sind wie beim klassischen IT-Infrastruktur-Outsourcing. Im Markt auf der anderen Seite bieten nicht nur klassische TK-Unternehmen externe VoIP-Dienste an, sondern auch IT-Provider. Vor diesem Hintergrund bietet sich eine Vertragsgestaltung wie beim klassischen IT-Outsourcing an.
Wichtige Inhalte von IT-Rahmenverträgen
Rahmenverträge empfehlen sich immer in Fällen, in denen IT-Infrastruktur ausgelagert werden soll. Schaffen Sie im Vertragswerk mit dem Provider einen Rahmenvertrag, unter dem Sie sogenannte Leistungsscheine als individuelle Verträge vereinbaren. Innerhalb dieser Leistungsscheine oder auch separat sollten Sie zudem konkrete Service Level Agreements (SLAs) abschließen. Natürlich fallen in den Rahmenvertrag auch die allgemeinen, für alle Leistungsbereiche erforderlichen juristischen Regelungen. Hierzu zählen insbesondere
eine grobe Leistungsbeschreibung,
Regelungen zum Einbezug von Einzelverträgen,
Leistungsscheinen und SLAs,
Abnahme, Gewährleistung, Haftung,
Vergütung,
Änderungsaufträge,
Vertrags- und Eskalationsmanagement,
Mitwirkungspflichten,
Laufzeit,
Rückübertragung und Beendigungsunterstützung,
Datenschutz, Datensicherung, Datensicherheit und Geheimhaltung sowie
typische Schlussregeln etwa zum anwendbaren Recht und Gerichtsstand.
[…]
Vertragliche Fixierung der Verantwortlichkeiten
Lagern Sie Ihre VoIP-Umgebung aus oder wird diese von vornherein von einem externen Dienstleister betrieben, haben Sie keine Möglichkeiten, die Qualität und den Umfang der Leistungen durch eigenes Eingreifen zu bestimmen. Umso wichtiger ist es, im Rahmen von Leistungsscheinen den Leistungsinhalt genau zu bestimmen, diese andererseits aber auch so auszugestalten, dass sie eine gewisse Flexibilität hinsichtlich der bezogenen Leistungen bieten. So sollten Sie innerhalb von Leistungsscheinen etwa regeln, was gilt, wenn sich die angeforderten Kapazitäten erhöhen oder vermindern. Grenzen Sie die Leistungssphären zudem sauber voneinander ab und bestimmen Sie die Service Level. […]
Service Level genau definieren
Bei Voice over IP spielt neben der Ausfallsicherheit insbesondere die Sprachqualität eine entscheidende Rolle. Beide Faktoren können diverse technische Ursachen haben und sie lassen sich im Falle eines ausgelagerten VoIP-Dienstes auch nicht einfach durch Anweisung an die IT-Mitarbeiter beheben. Insofern ist es zunächst erforderlich, die Qualität – etwa durch Festlegung maximaler Ausfallzeiten pro Monat – zu regeln. Darüber hinaus empfiehlt sich, dass Sie den Beweis dafür, dass keine Störung in der Sphäre des Kunden die entsprechende Minderleistung verursacht hat, dem Provider auferlegen. Anderenfalls haben Sie kaum eine Handhabe gegen den Provider, wenn es zu massiven Ausfällen und Qualitätsstörungen kommt. Der Anbieter hat die Möglichkeit, sich immer auf den Standpunkt zurückzuziehen, die Störung liege nicht in seinem Leistungsbereich. Dieses zu widerlegen – und nach dem Gesetz (§ 280 Abs. 1 BGB) hat hierfür der Kunde mangels individueller Abreden die Beweislast – ist nahezu unmöglich. […]
Ausgelagerte VoIP-Lösungen und Datenschutz
Heute ist weitgehend anerkannt, dass VoIP-Angebote Telekommunikationsdienste im Sinne des Telekommunikationsgesetzes (TKG) sind. Dies gilt, obwohl Definitionen und Vorgaben des TKG dem tendenziell widersprechen. Das betrifft insbesondere die Anforderung, dass Telekommunikationsdienste nur solche Dienste sind, bei denen eine zweiseitige Echtzeitübertragung stattfindet und bei denen Notrufe abgesetzt werden können. Das ist nicht bei allen VoIP-Lösungen von Natur aus gewährleistet.
Mit der Einordnung von VoIP-Angeboten als Telekommunikationsdienste werden auch klassische IT-Provider, die in der Vergangenheit nur IT-Dienstleistungen angeboten haben, bei der Auslagerung von VoIP-Diensten zu Telekommunikationsanbietern im Sinne des TKG. Sie haben daher im Grundsatz das Fernmeldegeheimnis, den TK-Datenschutz sowie Anforderungen zur Gewährleistung der öffentlichen Sicherheit zu beachten. […]
Fazit
Bei der Auslagerung von VoIP drohen sowohl dem Kunden als auch dem Provider rechtliche Fallen. Legen Sie als IT-Verantwortlicher daher im Rahmenvertrag und in den angehängten Leistungsscheinen die genauen Anforderungen an die Dienstleistung fest. Das sollte bis hin zu technischen Merkmalen am Arbeitsplatz reichen. Über Minderungsklauseln und Vertragsstrafen sichern Sie sich zudem gegen Ausfälle ab, die nicht in Ihrem Verschulden liegen. So steht einer Provider-basierten VoIP-Nutzung nichts mehr im Wege.